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zell-trainingBad Sauerbrunn

Was im Körper passiert

Ausführlich, für alle, die es genauer wissen wollen.

Der Reiz ist simpel: weniger Sauerstoff, im Wechsel mit mehr. Was der Körper daraus macht, ist es nicht. Auf den folgenden Abschnitten steht, welche Vorgänge dieser Reiz anstößt, worauf sich dieses Wissen stützt und in welcher Reihenfolge sich Anpassungen einstellen.

Wenn Sie es kürzer möchten: Die Startseite fasst dasselbe in drei Absätzen zusammen.

Wie eine Zelle merkt, dass Sauerstoff knapp wird

Dass der Körper in der Höhe mehr rote Blutkörperchen bildet, war lange bekannt. Wie er den Sauerstoffmangel überhaupt bemerkt, war es nicht. Drei Wissenschaftler haben das aufgeklärt.

  • Gregg L. Semenza

    Johns Hopkins University, Baltimore

    Beschrieb 1992 einen Eiweißkomplex, der sich bei Sauerstoffmangel an das Erbgut bindet und Gene aktiviert. Er nannte ihn HIF-1α — Hypoxie-induzierter Faktor 1-alpha.

  • Sir Peter J. Ratcliffe

    University of Oxford und Francis Crick Institute, London

    Zeigte, dass dieser Sensor nicht in einzelnen Organen sitzt, sondern in praktisch jeder Körperzelle vorhanden ist.

  • William G. Kaelin Jr.

    Dana-Farber Cancer Institute und Harvard Medical School, Boston

    Klärte den Gegenweg auf: Warum HIF-1α bei normalem Sauerstoffgehalt sofort wieder abgebaut wird.

Zusammengesetzt ergibt das einen Schalter. Ist genug Sauerstoff da, markieren bestimmte Enzyme den Faktor zum Abbau, und er verschwindet binnen Minuten. Wird Sauerstoff knapp, unterbleibt diese Markierung. HIF-1α reichert sich an, wandert in den Zellkern und schaltet Gene ein. Semenza beschreibt über eintausend Gene, die direkt oder mittelbar davon berührt werden.

Für diese Entdeckung erhielten die drei 2019 den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin.

Eine Einordnung, die dazugehört: Der Nobelpreis wurde für die Aufklärung des Sauerstoffsensors vergeben, nicht für das Höhentraining. Was er bedeutet, ist trotzdem erheblich — der Mechanismus, auf dem dieses Training beruht, ist molekular verstanden und nicht mehr Gegenstand der Vermutung. Das ist mehr, als die meisten Methoden im Bereich Regeneration für sich beanspruchen können.

Die Kraftwerke, um die es geht

In fast jeder Körperzelle stecken Mitochondrien. Sie stellen über neunzig Prozent der Energie her, die Sie verbrauchen — in Form von ATP, dem Energieträger, aus dem sich jeder Herzschlag, jeder Gedanke und jede Muskelbewegung speist. Die Menge, die Sie täglich auf- und wieder abbauen, entspricht ungefähr Ihrem Körpergewicht.

Wie viele davon eine Zelle besitzt, hängt davon ab, wie viel sie leistet. Eine Nervenzelle kommt auf etwa zehntausend. Im Herzmuskel machen sie rund ein Drittel des Gewebegewichts aus.

Warum sie anfällig sind

Mitochondrien waren einmal eigenständige Bakterien. Vor etwa einer Milliarde Jahren gingen sie eine Verbindung mit unseren Vorläuferzellen ein und tragen seither eigenes Erbgut. Dieses Erbgut liegt weitgehend ungeschützt und hat schwächere Reparaturmechanismen als das im Zellkern. Dauerbelastung, wenig Bewegung, schlechter Schlaf und die Jahre setzen ihm zu.

Arbeiten Mitochondrien weniger effizient, stellen sie weniger Energie her und mehr freie Radikale. Beides verstärkt sich gegenseitig.

Der Kreislauf, den das Training unterbricht

Mitochondrien teilen sich etwa alle vier bis fünf Tage. Ohne Erneuerungsreiz teilen sich dabei bevorzugt die, die ohnehin schon da sind — auch die geschädigten. Mit jeder Generation sinkt der Durchschnitt.

Der dosierte Sauerstoffmangel setzt an drei Stellen an:

  • Aussortieren. Beschädigte Mitochondrien werden gezielt markiert und abgebaut, ohne dass die Zelle drumherum Schaden nimmt. Der Fachbegriff ist Mitophagie.
  • Vermehren. Über eine Signalkette, die mit dem Energiesensor AMPK beginnt, wird die Neubildung angestoßen. Das Netz in der Zelle wird dichter.
  • Effizienter arbeiten. Die neu gebildeten Exemplare stellen mehr Energie bei weniger Nebenprodukt her.

Die Kaskade

Ein Faktor, über tausend berührte Gene — entsprechend breit fallen die Vorgänge aus. Hier stehen sie, geordnet nach Körpersystem.

Blut und Sauerstofftransport

HIF-1α regt in Niere und Leber die Bildung von Erythropoetin an, kurz EPO. EPO stößt im Knochenmark die Bildung roter Blutkörperchen an. Gleichzeitig werden die vorhandenen verformbarer und kommen leichter durch enge Gefäße. Bei diesem Training ist der Reiz kurz, der Effekt entsprechend vorübergehend.

Gefäße und Mikrozirkulation

Über HIF-1α wird VEGF gebildet, der wichtigste Wachstumsfaktor für neue Blutgefäße. Bei wiederholtem Training entstehen zusätzliche Kapillaren, und solche, die normalerweise stillliegen, werden wieder durchströmt.

Stickstoffmonoxid

Die Innenauskleidung der Gefäße bildet vermehrt Stickstoffmonoxid. Es entspannt die Muskulatur der Gefäßwand und hält Blutplättchen davon ab, sich anzulagern. Bemerkenswert am Rande: Menschen, die auf viertausend Metern leben, haben um ein Vielfaches mehr davon im Blut als Menschen auf Meereshöhe.

Zuckerverwertung

Unter Sauerstoffmangel werden Zuckertransporter in der Muskelzelle auch ohne Insulinsignal aktiv. Muskelgewebe nimmt vermehrt Glukose auf. Bei Fettzellen ist dieser Effekt deutlich schwächer ausgeprägt.

Grundumsatz

Mehr Mitochondrien bedeuten mehr Energieverbrauch — auch in Ruhe.

Herz

Kurze, dosierte Minderversorgung wirkt am Herzmuskel wie eine Vorbereitung auf spätere Belastung. Der Ruhepuls sinkt, unter anderem über einen stärkeren Einfluss des Ruhenervs.

Gehirn

Das Gehirn beansprucht rund zwanzig Prozent des Sauerstoffs bei zwei Prozent der Körpermasse. Es profitiert von der feineren Durchblutung besonders deutlich. Zusätzlich werden Wachstumsfaktoren für Nervenzellen ausgeschüttet, unter anderem BDNF, der an der Bildung neuer Verbindungen zwischen Nervenzellen beteiligt ist.

Vegetatives Nervensystem

Die sauerstoffarme Phase fordert kurz den Sympathikus, die sauerstoffreiche aktiviert den Parasympathikus. Dieser Wechsel ist selbst das Training: Der Körper übt, zwischen Anspannung und Erholung umzuschalten.

Stammzellen

Über HIF-1α werden Stammzellen im Knochenmark mobilisiert. Sie wandern in Bereiche mit Reparaturbedarf und geben dort Botenstoffe ab.

Diese Vorgänge sind in Laboruntersuchungen und klinischen Studien beschrieben. Die Forschung zur Intervall-Hypoxie reicht bis in die sowjetische Sport- und Höhenmedizin der 1930er-Jahre zurück; in Russland und der Ukraine ist die Methode als medizinisches Verfahren zugelassen. Seit der Aufklärung des Sauerstoffsensors 2019 ist auch der molekulare Unterbau verstanden. Wie stark ein einzelner Mensch reagiert, bleibt individuell — das gilt für jedes Training.

Hormesis — warum ein Mangel nützt

Das Prinzip ist aus anderen Zusammenhängen vertraut. Krafttraining schädigt Muskelfasern, und genau deshalb werden sie stärker. Die Sauna setzt den Körper Hitze aus, das Fasten dem Nahrungsentzug. In allen Fällen gilt dasselbe: Ein Reiz unterhalb der Schadensschwelle löst eine Gegenreaktion aus, die über den Ausgangszustand hinausgeht.

Entscheidend ist die Dosis. Zu wenig bewirkt nichts, zu viel schadet. Beim Sauerstoff ist dieses Fenster gut vermessen, und genau deshalb wird die Sättigung während der ganzen Einheit überwacht.

Der Schalter geht wieder aus

Ein Punkt, der für die Sicherheit wesentlich ist: Die Aktivierung ist vorübergehend und begrenzt sich selbst. Sobald wieder genug Sauerstoff da ist, wird HIF-1α binnen Minuten abgebaut. Es gibt keinen Dauerzustand, in dem der Schalter hängenbleibt.

Die Anpassung kommt in Stufen

Das ist der Abschnitt, den ich für den nützlichsten halte. Wer die Stufen kennt, versteht, warum nach einigen Wochen scheinbar nichts mehr weitergeht — und hört nicht genau dann auf.

  1. Stufe 1während und nach der Einheit

    HIF-1α reichert sich in den Zellen an und wird nach der Einheit wieder abgebaut. Stickstoffmonoxid wird ausgeschüttet, die feine Durchblutung nimmt zu. Viele beschreiben die Einheit selbst als ruhig und die darauffolgende Nacht als tiefer.

  2. Stufe 2die ersten Wochen, etwa Einheit 1 bis 8

    Zunächst passiert, was schnell geht: Stillliegende Kapillaren werden wieder durchströmt, die roten Blutkörperchen werden verformbarer, die Zuckerverwertung im Muskel verändert sich, das vegetative Nervensystem stellt sich um. Das ist noch keine Umbauarbeit, sondern bessere Nutzung dessen, was da ist. Spürbar wird es meist zuerst beim Schlaf.

  3. Stufe 3die erste Welle, etwa Einheit 8 bis 12

    Jetzt greift die Qualitätskontrolle bei den Mitochondrien. Beschädigte werden abgebaut, die Neubildung beginnt. Hier beschreiben die meisten Menschen die erste deutliche Veränderung im Alltag.

  4. Stufe 4das Plateau

    Danach passiert eine Zeit lang scheinbar nichts. Das ist kein Rückschritt und kein Zeichen, dass das Training nicht wirkt. Der Umbau läuft, er ist nur nicht zu spüren. Wer hier aufhört, verschenkt den zweiten und größeren Teil.

  5. Stufe 5die zweite Welle, etwa vier bis sechs Wochen später

    Die Neubildung ist abgeschlossen, zusätzliche Kapillaren sind entstanden. Das ist die strukturelle Veränderung, und sie hält länger an als alles davor.

  6. Stufe 6Erhalten

    Anpassungen bilden sich zurück, wenn der Reiz ausbleibt. Eine bis zwei Einheiten pro Woche oder in größeren Abständen halten das Erreichte.

Was die Anpassung braucht

Die Stufen drei bis fünf sind Bauarbeit. Neue Mitochondrien und neue Kapillaren entstehen aus Material, das im Körper vorhanden sein muss. Fehlt es, bleibt der Reiz ein Reiz und wird nicht zur Veränderung.

Deshalb gehören zum Training zwei Dinge, die nichts kosten: genug zu trinken und moderate Bewegung. Und eines, das eine eigene Betrachtung verdient: die Nährstoffversorgung. Welche Bausteine bei Ihnen fehlen könnten, besprechen wir im Erstgespräch.

Die Zahlen sind Anhaltspunkte. Manche Menschen reagieren schneller, manche langsamer.

Jetzt wissen Sie, warum es funktioniert

Sie haben einiges über Faktoren, Gene und Signalwege gelesen. Das erklärt, warum ein Training aus Luftmangel so breit wirkt. Wie es sich anfühlt, erklärt es nicht — das zeigt sich erst an Ihnen.

Deshalb beginnt jedes Programm mit vier Einheiten.

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